Abschied und Neuanfang - Ursula und Volker Mönch übergeben die Seele des Fidelisbäck an ihre Nachfolger

31.12.2019

[Wangen] Es war ein besonderer Moment, als Ursula Mönch mit ihrem Mann Volker Mönch am Silvesternachmittag um 14.30 Uhr ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Gaststube vom Fidelisbäck um sich versammelte. Es war der letzte Tag, an dem das Ehepaar Mönch Chef der traditionsreichen Bäckerei war. Seit Mitternacht des 1. Januar 2020 gehört der Betrieb den Nachfolgern Marlene Rampp, Christian Koch und Andreas Mader. 

Eine Schlüsselübergabe schien Ursula Mönch nicht passend für das historische Ereignis. Denn die Schlüssel hätten die Nachfolger ja schon lange. Wirklich entscheidend sei, dass die Seele des Fidelisbäck auch in Zukunft gehütet werde. Beim Menschen sei die Seele das, was ihn besonders und einzigartig mache, sagte Ursula Mönch. Das sei beim Fidelisbäck nicht anders. Beim Fidelisbäck bedeute die Seele, dass sich die Menschen wohl fühlen, dass es ihnen schmeckt, dass sie dort lachen können, ganz egal woher sie kommen, welchen Beruf sie haben oder ob sie prominent oder einfache Menschen seien.

„Der Chef des Fidelisbäcks hat die Aufgabe, darauf aufzupassen, dass der Fidelisbäck seine unsichtbare Seele behält. Er ist so etwas Ähnliches wie der Hüter eines unsichtbaren Schatzes“, sagte die scheidende Chefin. Und dann kam der große Augenblick: Die Kinder der künftigen Eigentümer „läuteten“ mit Schlägen auf Topfdeckel den Wechsel ein. Zwölf Schläge zählte die versammelte Runde mit – symbolisch für die Glocken um Mitternacht. Dann übergaben Ursula und Volker Mönchen den drei künftigen Chefs eine große, gebackene Seele und damit auch die Seele des Fidelisbäcks.

Oberbürgermeister Michael Lang, der nach eigenem Bekunden noch nie an einem Silvesternachmittag einen Termin wahrgenommen hatte, sprach von einem bedeutenden Moment in der Stadtgeschichte. Im Kellhof seien Reisende und Wangener schon vor 1000 Jahren mit Brot, Wein und später auch mit Bier verköstigt worden. Vor gut 500 Jahren wurde der Fidelisbäck gegründet, dessen großes Jubiläum damals wie ein Stadtfest gefeiert worden sei. „Bei der 500-Jahr-Feier waren 10000 bis 20000 Menschen dabei, weil sie sich alle gefreut haben und dankbar waren, dass es den Fidelisbäck gibt. Er ist in der Tat ein Herzstück der Stadt“, sagte OB Lang. 

Der Fidelisbäck sei ein Anziehungspunkt und Sehnsuchtsort, den man überall kenne – in Hamburg ebenso wie in Berlin. Er dankte Ursula und Volker Mönch stellvertretend für die gesamte Familie, die 120 Jahre lang die Geschicke der Bäckerei gelenkt hat. „Sie waren in vier Generationen hier und ich finde es sehr schön, wie Sie es verstanden haben, den Übergang zu gestalten“, sagte OB Lang. 

Den Nachfolgern sagte er die Unterstützung der Stadt Wangen zu und bat sie: „Bewahren Sie sich den Zusammenhalt.“ Seine Ansprache schloss OB Lang augenzwinkernd mit einem besonderen Dank dafür, dass der Fildelisbäck um 22 Uhr schließt. Denn so müssten die Gemeinderatssitzungen gegen 21 Uhr enden, damit die Räte noch Zeit auf ein Bier und einen Leberkäse hätten.


Text und Bild: Stadt Wangen im Allgäu

Abschied und Neuanfang: Oberbürgermeister Michael Lang (von links) dankte Ursula und Volker Mönch ihre Arbeit und wünschte Christian Koch, Andreas Mader und Marlene Rampp alles Gute für die Zukunft.
Abschied und Neuanfang: Oberbürgermeister Michael Lang (von links) dankte Ursula und Volker Mönch ihre Arbeit und wünschte Christian Koch, Andreas Mader und Marlene Rampp alles Gute für die Zukunft.
 

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